Zeitabgleich

Beim Spielen am PC fällt eine Abweichung der Systemuhr nicht auf. Doch stört die die zeitliche Abweichung sehr, wenn scheinbar E-Mails verschwinden, oder bei der Fehlerdiagnose in Logfiles. Nach einem Konfigurationseingriff und eventuell mit einigen Freeware-Tools weiß der PC stets, wie spät es wirklich ist.
Nicht nur in E-Mails oder wenn ein Textverarbeitungsprogramm das Datum automatisch einsetzt, auch in anderen Anwendungen oder Systemfunktionen spielt die Zeit mit. Sie fließt beispielsweise in Log-Dateien, Kerberos-Tickets, SSL-Zertifikate, differenzielle Backups ein. Ganz direkt wirkt sie bei zeitgesteuerten Aktionen, etwa den Geplanten Tasks unter Windows, cron unter Unix.
Einmal gestellt, beginnt die in PCs und Macs integrierte Echtzeituhr wie jede Wand- oder Armband-Uhr, von der wahren Zeit wegzudriften, sie geht falsch. Für viele Anwendungen reicht esl, wenn die Systemuhr höchstens um wenige Minuten abweicht. Das schafft sie auch, wenn man sie einmal monatlich nachstellt. Oft genügt eine Minutengenauigkeit jedoch nicht: Wer auf der Suche nach Fehlfunktionen in einem Netzwerk ist, dem helfen Logfiles auf den verschiedenen Maschinen oft weiter. Driften allerdings die internen Uhren der Rechner im Laufe der Zeit auseinander, dann lässt sich im Nachhinein irgendwann nicht mehr rekonstruieren, ob ein fehlerauslösendes Ereignis A auf dem Rechner X nun vor oder nach dem Ereignis B auf Server Y auftrat.
Für einzelne Rechner mag es genügen, eine Funkuhr anzuschließen, die den Langwellen-Zeitzeichensender DCF77 empfängt, das kodierte Zeitsignal auswertet und den Rechner sekundengenau hält. Edlere Ausführungen nutzen dazu Satellitensignale des GPS.
Langwellenempfang funktioniert meist auch innerhalb von Gebäuden, aber bisweilen können schon Blechjalousien das DCF77-Signal beeinträchtigen, was zu Aussetzern führt. Platziert man eine DCF77-Uhr nah neben einem Fernsehgerät, dann ist es spätestens zur Tagesschau mit genauer Funk-Zeit oft vorbei: Die fünfte Oberwelle der TV-Horizontalablenkung (15,625 = 78,125 kHz) liegt sehr dicht beim Zeitsignal (77,5 kHz) und stört dessen Empfang. Bei bestimmten Kombinationen von Auflösung und Bildwiederholfrequenz, zum Beispiel 1280 × 1024 Bildpunkte und 75 Hertz, kann auch ein PC-Röhrenmonitor in dem Bereich senden. Mit diesem Effekt hat eine GPS-Uhr zwar kein Problem. Zwar betreibt beispielsweise die PTB, Hüterin der gesetzlichen Zeit in Deutschland, einen Modem-Server, den man abfragen kann, aber das kostet auch jedes Mal ein paar Cent. Im Laufe der Zeit kommt die Modemabfrage teurer als eine Funkuhr.
Eine alternative Quelle für die Zeit stellt das ISDN dar. Allerdings ist auch das nicht unbedingt der Weisheit letzter Schluss: Die ISDN-Zeit kann von der gesetzlichen Zeit bis zu einer Minute differieren. Außerdem überträgt das ISDN-System die Zeit nur bei einem gelungenen Verbindungsaufbau.