NTP - allgemein

Auf dem Arbeitsplatzrechner oder der Surfstation zu Hause einen ausgewachsenen NTP-Server zu installieren, ist gewiss übertrieben. Mit Client-Programmen, die per SNTP (Simple NTP, RFC 5905) die Zeit eines Stratum-2-Servers nach dem Hochfahren oder in bestimmten Abständen abfragen, kann man eine ausreichende Genauigkeit erzielen. Solche Tools gibt es für alle gängigen Betriebssysteme.
Bei allen Programmen gilt, dass einmal ausgewählte Server eventuell in Zukunft abgeschaltet werden oder einen anderen Namen bekommen können. Man überprüft deshalb die Erreichbarkeit der gewählten Zeitquellen von Zeit zu Zeit und sucht gegebenenfalls andere. Ebenso kommt stets der Name und nicht die IP-Nummer des Servers in die Client-Konfiguration, denn die Nummer kann sich ändern, aber der Name bleibt normalerweise über Jahre gleich.

Soll nur der private Surf-PC oder ein DSL-Router die Zeit abfragen, kann man diesen auf den NTP-Pool ansetzen. Dort haben Freiwillige die Adressen ihrer NTP-Server eingetragen, die sie der Allgemeinheit zur Verfügung stellen. Bei jedem Zugriff auf pool.ntp.org liefert der DNS-Server eine andere Adresse aus, damit sich die Last verteilt. Eine vorangestellte Ziffer liefert mehrere unterschiedliche Quellen:

  • 0.pool.ntp.org,
  • 1.pool.ntp.org und
  • 2.pool.ntp.org.
Allerdings bekommt man so weltweit verteilte NTP-Server zugeordnet. Ist möglichst gute Synchronität mit der eigenen Region wichtig, fügt man noch eine Kontinents- oder Länderkennung hinzu:
  • 0/1/2.europe.pool.ntp.org oder
  • 0/1/2.de.pool.ntp.org.
Aktuell sind rund 500 IPv4 und 300 IPv6 Pool-Server in Deutschland aktiv.
Als Quelle der gesetzlichen Zeit in Deutschland betreibt die PTB zwei Stratum-1-Server. Wer einen eigenen NTP-Server für das Firmennetz aufsetzen will, darf sie nach formloser Benachrichtigung per E-Mail nutzen. Solche Server öffentlicher Institutionen gibt es auch in anderen europäischen Ländern, etwa beim Schweizer Bundesamt für Metrologie oder dem Pariser Observatorium. Auch manche Internet-Provider betreiben NTP-Server, die nicht nur aus ihren Netzen erreichbar sind. In die Konfiguration des eigenen NTP-Servers trägt man mindestens drei Quellen ein.
Bei der Auswahl eines Stratum 1 oder Stratum 2 muss man die genannten Nutzungsbedingungen beachten: Viele Server versorgen nur ein Land oder einen Kontinent, manche gar nur die Clients eines bestimmten Netzes (Service Area). Auch der Zugriff (Access Policy) ist nicht immer offen. Meist genügt eine E-Mail an den Betreiber (Notify). Günstigerweise wählt man NTP-Server, die geografisch nah liegen. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit für niedrige Paketlaufzeiten.